95 Thesen

95 Thesen auf dem Weg zur Einheit der Christen (Ökumene)

 
Gerald Jaksche, erstellt am: 11. Mai 2003
 

1 – Christus der Urgrund des christlichen Glaubens hat die Einheit der Kirche gewollt.

2 – Christus hat vor seinem Tod vor der Gefahr einer Kirchenspaltung gewarnt.

3 – Kirchenspaltung steht somit in krassem Widerspruch zum Evangelium Jesu.

4 – Wo Spaltung in den christlichen Kirchen entstanden ist, da haben die Christen den Boden des Evangeliums verlassen.

5 – Wir müssen alles in unseren Kräften stehende tun, damit die verlorene Einheit wieder hergestellt wird.

6 – Die Kirchenspaltung ist ein Skandal vor den Augen der Welt.

7 – Einheit kann nur dort entstehen, wo wir uns zurück auf die gemeinsamen Quellen des Evangeliums besinnen.

8 – Am Anfang müssen stehen das gemeinsame Bekenntnis von Schuld und Versagen.

9 – Alle sind wir schuldiggeworden; diejenigen, die sich mit der Spaltung abgefunden haben

10 – und diejenigen, die die Spaltung verursacht haben.

11 – Spaltungen haben eine lange Vorgeschichte, sie entstehen nicht von heute auf morgen.

12 – Ökumene (die Einheit der Christen) ist ein ebenso langer Prozess und braucht viel Geduld.

13 – Aber, so wie der Riss (die Spaltung) vollzogen wurde, so muss auch die Einheit wieder hergestellt werden.

14 – So wie die Zeit für Spaltungen reif (unabwendbar) war, so ist sie auch reif für den Zusammenschluss.

15 – Ist der Zeitpunkt der Reife gekommen, darf man nicht zögern, sie zu vollziehen.

16 – Einheit muss sowohl im Kirchenvolk, als auch in den Kirchenleitungen als überwiegend gewollt vorhanden sein.

17 – Blockiert das Kirchenvolk, müssen sich die Leitungen stärker um Einheit mühen.

18 – Blockieren die Kirchenleitungen, muss das Volk stärker zur Einheit drängen (so wie bei der Wiedervereinigung unseres Landes).

19 – Einheit darf niemals auf Kosten anderer vollzogen werden.

20 – Einheit muss neues Leben, neue Vitalität und Frieden nach sich ziehen.

21 – Einheit bedeutet nicht Gleichmacherei

22 – Der Preis der Einheit kann und darf nicht der Verlust der Vielfalt sein.

23 – Erst die Vielfalt im christlichen Glauben lässt etwas von der Größe und Universalität der Kirche erahnen.

24 – Faule Kompromisse führen nicht zur Einheit.

25 – Dennoch sind Kompromisse unabdingbar notwendig, aber nicht um jeden Preis.

26 – Jede Konfession sollte ihre Eigenständigkeit (Spezifikum) und Identität bewahren.

27 – Zuerst das Geheimnis im christlichen Glauben erkennen und bekennen.

28 – Erst dann das Trennende wahrnehmen und zunächst akzeptieren lernen.

29 – Einheit darf man nicht nur fordern, man muss sie auch tun.

30 – Angst, Neid und Misstrauen blockieren die Einheit.

31 – Ausgang und Ziel aller ökumenischen Bemühungen muss Jesus Christus, der Herr sein.

32 – Alle Bemühungen, die sich vom Mittelpunkt Christus entfernen (man kann auch sagen vom Evangelium), widersprechen der Einheit.

33 – Je weiter sich die Konfessionen auf Randfeldern des Glauben ergehen, um so weiter sind sie von der Einheit entfernt.

34 – Je näher Christen auf den Mittelpunkt Christus zugehen, desto näher sind sie sich auch untereinander.

35 – Grundlage dieser Christusnähe ist das Evangelium Jesu Christi.

36 – Je mehr das Evangelium Jesu Christi verkündet und gelebt wird, desto größer sind die Chancen der Einheit.

37 – Deshalb gilt für alle: Zurück zu den Quellen des Evangeliums.

38 – Immer dann, wenn Christen als Ganzes oder Einzelne sich vom Anspruch des Evangeliums wesentlich entfernen, waren die Folgen Streit, Bekämpfung und Spaltung.

39 – Die Liebe (auch die Feindesliebe) ist der zentrale Schlüsselbegriff des Evangeliums.

40 – Armut, Demut, Reinheit, Gehorsam, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind die „evangelischen“ Schwestern der Liebe.

41 – „Du bist nicht erwünscht“ – ist Ausdruck von Lieblosigkeit und entspricht nicht dem Evangelium.

42 – Nur in einem Klima des Angenommen-seins in Liebe, kann der Glaube erst wirklich gedeihen.

43 – Spaltung ist eine Folge von Lieblosigkeit.

44 – Einheit ist eine Frucht der Liebe.

45 – Das meistgebrauchte Wort bei den „Johanneischen Abschiedsreden“ ist das von der Einheit und Liebe.

46 – Jesus wusste ganz genau um diesen inneren Zusammenhang von Liebe und Einheit bzw. Einheit und Liebe.

47 – Das Abendmahl Jesu ist zuallererst ein Liebes-Mahl, ein Mahl der Liebe.

48 – Jesu Abendmahl ist außerdem ein Mahl der Erniedrigung und Demut und nicht der Macht und Unterdrückung.

49 – Jesu Abendmahl ist somit ein Mahl der Einheit und Gemeinschaft. (So, wie Er mit dem Vater eins war, so sollen auch wir untereinander eins sein.)

50 – Abendmahl und Eucharistie dürfen nicht allein auf rituelles Handeln reduziert werden.

51 – Wenn Liebe, Selbstentäußerung und Einheit fehlen, dann fehlen ganz wesentliche Elemente des Abendmahls.

52 – Erinnerung und Vergegenwärtigung setzen Liebe und Einheit voraus.

53 – Christus ist in den Zeichen von Leib und Blut im Abendmahl bzw. Eucharistie gegenwärtig (Realpräsenz).

54 – Eucharistie und Abendmahl setzen somit gesamtkirchliche Einheit und Liebe voraus.

55 – Den gemeinsamen Sieg einer Bergbesteigung kann man nur dann feiern, wenn man vorher alle Schwierigkeiten und Probleme beseitigt und gemeistert hat. Zerstrittenheit führt nicht zum Ziel.

56 – Eucharistie ist die dichteste Form von Jesu Vergegenwärtigung.

57 – Wir müssen alle dransetzen, gemeinsam diesen Gipfel zu erreichen.

58 – Wer „Interkommunion“ feiert ohne vorherige konfessionelle Gesamt-Einheit, der feiert etwas, was es gar nicht gibt.

59 – Erst zurück zu den Quellen des Evangeliums, dann die Herstellung der Einheit und dann das gemeinsame Liebesmahl. Wenn wir diese Reihenfolge nicht einhalten kommen wir nicht zur Einheit.

60 – Deshalb sollten wir alle Kraft darauf verwenden, diese vorhergehenden Schritte in der Gesamtheit zu vollziehen.

61 – Es gilt, alles daranzusetzen, was dem Leben nach dem Evangelium entspricht, bei den Kirchenleitungen ebenso wie beim Kirchenvolk.

62 – Es gilt, die alten und dürren abgestorbenen Äste am 2000-jährigen Baum „Kirche“ abzuschneiden, damit sich neue Triebe entfalten können.

63 – Es gilt, zusammenzurücken angesichts der globalen Probleme und Herausforderungen unserer Zeit.

64 – Es gilt, sich von den weltlichen Machtstrukturen und Verstrickungen zu befreien (Kirchenvolk und Kirchenleitungen).

65 – Es gilt, zur Armut und Demut und Einfalt des hl. Franziskus und der heiligen Elisabeth zurückzukehren (Reform durch eigene Umkehr).

66 – Es gilt, wieder eine österliche Auferstehungskirche voller Hoffnung und Dynamik zu werden (anstelle von resignierender Bedrückung).

67 – Es gilt, glaubhaft und glaubwürdig, offen und ehrlich vor der Welt zu stehen, sich zur Kirche der Sünder und Heiligen zu bekennen, also keine Beschönigung vergangener Verfehlungen.

68 – Es gilt, Fehler auch einzugestehen, aber auch auf die Stärken der Kirche in der Vergangenheit hinzuweisen (wer nur kritisiert und sich selber dabei heraushält, der steht außerhalb von Einheit).

69 – Es gilt, sich mit aller Kraft einzusetzen und mitzuwirken an der Gestaltung zukünftig geeinter Kirche (wie soll Einheit entstehen, wenn sie nicht gewollt ist).

70 – Und es gilt, dass Ökumene nicht als ein Thema unter vielen gesehen, sondern als gemeinsamer zentraler Auftrag angestrebt wird.

71 – Bestehen und überleben werden christliche Kirchen und Konfessionen nur in dem Maß, wie sie Einheit, Frieden und Liebe in ihren Reihen verwirklichen.

72 – Der Satz: „Gemeinsam sind wir stark“, hat für die Ökumene elementare Bedeutung.

73 – Noch gilt der Zustand: „Geteilt sind wir schwach“. Dies ist der Grund fehlender Strahlkraft und Vitalität.

74 – Strukturplanungen, Diskussionen und Dokuments sind nicht unwichtig, aber wo es an Glaube, Hoffnung und Liebe fehlt, da fehlt es am Fundament missionarischen Einsatzes.

75 – Eine total verwaltete Kirche, eine total verdemokratisierte Kirche und eine Ausschuss-Kirche wird den Einheitsgedanken nicht nähren.

76 – Einheit ist Gottes Geschenk, aber ohne das Zutun des Menschen kommt sie nicht zustande.

77 – Jeder Christ ist aufgerufen, bei sich selber anzufangen und die Bemühungen um Einheit nicht allein anderen zu überlassen.

78 – Die Zukunft der Kirche wird eine Kirche der Einheit und nicht der Zerrissenheit sein.

79 – Die Zeit der kleinen Gesten müßte der Vergangenheit angehören. Was Not täte, wären weitreichende Schritte. Sonst zwingt uns die Not dazu.

80 – Die zweite große Kirchen-Spaltung ist auf deutschem Boden entstanden.

81 – So wie die Mauer in Berlin gefallen ist, so müßten auch die konfessionellen Schranken auf deutschem Boden fallen.

82 – Das Volk war es, das die entscheidenden Impulse zur Wiedervereinigung gab.

83 – Aber die staatlichen Leitungen haben die sie besiegelt. Ohne Zustimmung der Kirchenleitungen keine Einheit. Aber auch die Kirchenleitungen sollten das Drängen des Kirchenvolkes ernst nehmen, das Drängen an der Basis zur Einheit. Wann sollte sie stattfinden, wenn nicht jetzt und heute und hier?

84 – Neu anfangen heißt, auf dem alten Mutterboden des christlichen Glaubens aufbauen.

85 – Wer sich mit Kirchenspaltungen abgibt, gleicht jenen Leuten, die sich mit der Teilung Deutschlands abgefunden haben.

86 – Nur wer die Hoffnung nicht aufgibt (wider alle Niederlagen), wird konfessionelle Einheit begünstigen.

87 – Basis und Kirchenleitungen müssen an einem Strang ziehen.

88 – Beim Abendmahl sass ein Jünger, der den Meister verriet. Man kann nicht damit rechnen, dass alle der Einheit zustimmen. Es wird immer einen Rest geben, der sich in den alten Gleisen wohl fühlt.

89 – Heute sitzen auch an vielen Orten Frauen und Männer, die die lieber die Entwicklungen zurückschrauben möchten (man fühlt sich dann sehr wohl im selbstgebauten Nest der Rückständigkeit).

90 – Konfessioneller Fundamentalismus im Sinne von sturer Bewahrung ist ebenso schädlich wie rücksichtsloser Reformeifer.

91 – Es wird immer auch Einheits-Blockierer geben. Es haben bis heute noch nicht alle Bundesbürger die Einheit innerlich mitgetragen. Es gibt noch allzu viele, die sich nach den alten Zeiten der Zerrissenheit und Spaltung sehnen.

92 – Man kann nicht davon ausgehen, dass alle hinter dem Bestreben der Ökumene stehen. Doch wenn eine große Mehrheit sie will, sollte man sie fördern und vollziehen.

93 – Nicht Proklamationen, nicht Deklarationen, nicht Papiere und Resolutionen werden letztlich die Einheit herstellen sondern tief gläubige Christen-Menschen aus Fleisch und Blut.

94 – Es ist auch ein Segen für die Einheit der Christen zu beten.

95 – Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe bedeutet langfristig auch: Ein Herr, ein Glaube, eine geeinte Christenheit und damit auch eine Eucharistie bzw. Abendmahl.

Vervielfältigung ist erwünscht, aber unter Beachtung der Urheberrechte beim Verfasser und Autor der 95 Thesen.


Gerald Gerald Jaksche

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