Spiritueller Schöpfungs- Hymnus

(Einführung)

Die Idee zu diesem Text entstand am 3. April 2009. Dies war der Beginn einer Ausstellung in Erbach über „Echnaton und Nofretete“. Echnaton begründete um 1350 v.Chr. die erste monotheistische Religion, die allerdings wegen der Radikalität im Bereich von Götter-Welten nur von kurzer Dauer war. Zu diesem Ein-Gott-Glauben gehörte auch der berühmte „Sonnengesang“ des Echnaton, der in vollem Text  in zwei Fassungen erhalten ist.

Von der Ausstellungsleitung wurde ich angefragt, ob ich bereit wäre, den „Franziskus-Sonnengesang“ (um 1225 n. Chr.) in die Ausstellung mit einzubeziehen. So kam es zu einem Vortrag, den ich in Erbach innerhalb der Ausstellungszeit hielt und ich brachte eine kleine Broschüre dazu heraus. Gleichzeitig leitete ich mit einer ev. Prädikantin eine Gruppe von der Musemsinsel aus Berlin, die den Meditationsweg, zum „Franziskus-Sonnengesang“ hier von Michelstadt Steinbach nach Rehbach gegangen ist. sonnenaufgang

Es konnte nicht ausbleiben, dass ich mich daran setzte, einen eigenen Schöpfungshymnus zu verfassen. Einen neuzeitlichen. Wir, die Leitung des Med.-Weges, betonten die verblüffenden  Gemeinsamkeiten und die Unterschiede beider Sonnengesänge. Im Echnaton-Sonnengesang wird die Sonne direkt angebetet. Gott war für den ägyptischen Herrscher die Sonne, dessen Strahlen in vielen Darstellungen auf die Erde gesendet wurden. Im „Franziskus-Sonnengesang“ wird Gott als der Schöpfer allen Seins  durch die Geschöpfe gepriesen und angebetet und verherrlicht.

Der von mir verfasste „Spirituelle Schöpfungshymnus“ versucht der gegenwärtigen Situation gerecht zu werden aufgrund eines Weltbildes, dass es weder bei Echnaton, noch bei Franziskus gab. Dieser Hymnus entstand auch in der Sorge um die zunehmende Bedrohung und Ausbeutung der Erde, ja der ganzen Schöpfung. Jährlich sterben tausende von Tierarten aus. Die Treibhausgase mit dem hohen CO2-Werten  verursachen gewaltige Klimaveränderungen, die zu Naturkatastrophen nie dagewesenen Ausmaßes  führen.

Es geht nicht nur um einer Veränderung der äußeren Rahmenbedingungen, sondern der Mensch muss sich auch innerlich verändern in seiner Einstellung zu dem Schöpfer und seinen Geschöpfen.

Als Christ und  Franziskaner des Dritten Ordens sehe ich mich zuerst verpflichtet, auch einen eigenen Beitrag zu leisten. Wir müssen zurück zu den spirituellen Quellen des Glaubens. Eigentlich alle Religions-Gemeinschaften. Eine engere Zusammenarbeit infolge der globalen Herausforderungen, eine Art Religions-UNO, ist längt überfällig. Die Assisi- Friedens- Gebete waren ein Anfang.

Und so entdeckte ich beim Aufräumen „meinen“ Schöpfungshymnus wieder, und ich kam zu der Meinung, diese Texte dürften nicht länger in der Schublade bleiben, sondern sollten einer breiteren Öffentlichkeit  zugänglich gemacht werden.

Es ist ein Hymnus über alle Konfessions- und Religionsgrenzen hinaus. Gott sollte wieder im  Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns  stehen.

Michelstadt- Rehbach, den  8. Januar 2014

Spiritueller Schöpfungshymnus  (getextet: 3.4. 2009)

 

Großer, geheimnisvoller

Gott:

Von Dir kommt alles,

was lebt

und auf Dich hin

ist alles geschaffen.

So, wie die Sonne

alles wärmt und erhält,

so durchstrahlst Du

das All mit Deinem Licht.

Nichts kommt Dir gleich.

Der ganze Kosmos ist

auf Dich hin geordnet,

nach Deinen Gesetzen

und Maßen und Zeiten.

 

Jeder Tag ist eine Neugeburt,

eine Auferstehung

aus dem Dunkel der Nacht.

Du Schöpfer alles Seienden,

seit Jahrhunderten und Jahrtausenden

bist Du in allem gegenwärtig,

auch wenn wir Dich nicht irdisch

sehen können.

Alle Völker der Erde beten Dich an,

so wie alle Menschen von Dir

ihren Ursprung haben.

Der Mensch und alle Geschöpfe

Entfalten sich in Deinen Strahlen:

der Samen im Acker des Feldes,

der Schmetterling in der Luft,

und der Fisch in den Fluten der Meere.

 

Du einziger und lebendiger Gott,

auch wenn wir Wolkenschleier

um unser Herz legen,

und unsere Seele verdunkelt ist,

so bist Du doch da.

Deine Liebe umfängt uns,

auch wenn wir uns

deiner Güte verschließen.

Du machst keinen Unterschied

ob arm oder reich,

ob klein oder groß,

ob schwarz oder weiß,

ob krank oder gesund.

Allen Wesen bist Du zugewandt.

Und wenn sich unser Innerstes

Zu Dir wendet,

dann werden wir zur vollen

Entfaltung gelangen.

 

Du bist im Feuer,

Du bist im Wasser,

in der Luft und

und in der Erde.

Der ganze Kosmos ist erfüllt

vom Hauch Deiner Gegenwart.

Du bist Anfang und Ende,

Sommer und Winter,

Frühling und Herbst.

Voll des Lobes

verneigen wir uns vor Dir.

Voll des Dankes

preisen wir Dich

in den Höhen und Tiefen

und voller Ehrfurcht

nimmt unser Staunen

kein Ende.

Demütig preisen wir

Deine All-Gegenwart.

 

Alle Kulturen und Religionen

der Welt,

beten Dich an.

Dein Töpferwerk hast du uns

in Deine Hände gelegt,

damit wir bewahren und schützen,

hegen und pflegen,

Deine wunder-bare Schöpfung.

Groß sind all‘ Deine Werke:

der Mond und die Sterne,

die Weiten des Alls,

und die Zelle des Körpers.

Tausendfach sind

alle Arten und Lebewesen,

die Pflanzen und Kulturen.

Alles ist in Harmonie

aufeinander zugeordnet.

Und wenn wir einen Teil davon

zerstören,

zerstören wir uns selbst

und alles,

was Du geschaffen  hast.

 

Du Gott der Einheit,

und der Liebe,

verlass uns nicht,

wenn Katastrophen

über uns hereinbrechen:

wenn wir andere Götter anbeten

und uns babylonische Türme

bauen-

wenn Kriege und Hungersnöte

über uns hereinbrechen,

weil wir Dich vergessen haben.

Die Religionen mögen erkennen,

dass Du der Eine Gott

für alle bist.

Alle mögen in Dir

den Einzigen sehen-

von dem alle Kraft ausgeht

und von dem wir abhängig sind.

 

Wie ein Faden

hängt unser Leben an Dir.

Schneidet der Tod ihn ab,

und haucht der Mensch

sein irdisches Leben aus,

dann dürfen wir in der Ewigkeit

für immer bei Dir sein,

so wie alle Verstorbenen

bei uns sind

in der Seins-weise

der Auferstehung.

Im Leid steh‘ uns bei,

in der Freude lass uns laut jubeln,

im Zweifel nicht verzagen

und in den Tagen des Glücks

Deinen Frieden bewahren.

Nimm unser irdisches Leben

in Deine Hände wieder auf.

Vollende,

was nicht gelungen ist-

verzeihe, was böse war,

und verwandle

den Raum und die Zeit

in die Ewigkeit,

den Hass und den Streit

in die Liebe,

den Tod

in das göttliche Leben.

Mögen wir bei allen

Unterschieden erkennen,

dass wir Geschwister

einer großen Familie sind.

Franziskus-Bruder  Gerald ofs

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